1. Problemlage 

In einem Unternehmen, das Fördertechnik herstellt, war die arbeits- und gesundheitsschutzbezogene Beurteilung einer Arbeitstätigkeit vorzunehmen. Überprüft werden sollte besonders die allgemeine Zumutbarkeit der auftretenden psychischen Anforderungen und Beanspruchungsfolgen. Dabei wurde eine Tätigkeit an einem Schweißarbeitsplatz untersucht, bei der mit Hilfe einer Schweißvorrichtung Spezialstahlprofile manuell verschweißt wurden. Beurteilt wurde in diesem Beispiel die Gestaltungsgüte einer bereits umgestalteten Variante der Arbeitsaufgaben und -bedingungen.





 

2. Auftrags- und Bedingungsanalyse

Arbeitsanalysen führen zu genauen und zuverlässigen Ergebnissen bei Anwendung der Drei-Stufen-Methodik (siehe Abbildung).


REBA-Einstufung (Klicken zum Vergrößern!)



Bei der vorliegenden Untersuchung wurde für die Datenerhebung diese Methodik eingesetzt. Die Analysen erfolgten mittels Dokumentenstudien, Expertenbefragungen sowie Beobachtungsinterviews am Arbeitsplatz.

Auf Grundlage der zuvor erhobenen Daten wurden mittels des REBA-Verfahrens Anforderungsprofile erstellt sowie der Auftritt von arbeitsbedingten Beanspruchungsfolgen abgeschätzt.

Die ausgefüllten REBA_AS-Arbeitsblätter zu diesem Beispiel sind im Anhang des Handbuches beigelegt. Das Anwendungsbeispiel kann mit dem REBA_AS-Programm durchgespielt werden. Dazu muss die Datei bsp_nach.ras geöffnet werden.





 

3. Ergebnisse 

3.1 Beschreibung der Tätigkeit

Die Mitarbeiter haben die Aufgabe, angelieferte Halbschalenprofile aus Stahl anhand eines Arbeitsauftrages zu Spezialprofilen zusammenzuschweißen. Dabei arbeiten je zwei Werker zusammen, wobei deren Abstimmung durch optische und akustische Signalgeber unterstützt wird.

     Arbeitsablauf (Klicken zum Vergrößern!)
 
Jeweils eine leere und eine mit Halbschalen gefüllte Palette wird mittels eines Kranes auf die dafür vorgesehenen Abstellböcke gestellt. Die zu schweißenden Halbschalen werden mechanisch in die Schweißvorrichtung eingelegt und mittels eines Fahrbahnbolzens auf Abstand gehalten. Das Profil wird CNC-gesteuert in der Vorrichtung hydraulisch gespannt und geschwenkt. Danach wird es von den Werkern zuerst außen geschweißt, dann mit Hilfe der Vorrichtung um 180° geschwenkt und von innen geschweißt. Nachdem die Vorrichtung wieder in die Ausgangslage geschwenkt wurde, wird das Profil entspannt. Mittels Manulift wird es aus der Vorrichtung entnommen, geprüft und in die Leerpalette eingelegt, wo die Profile in 3 Lagen zu je 6 Profilen abgestellt werden.

Die beiden Arbeitsdurchgänge sind in einem 3,45-minütigen Video (Format: MPEG 1, Größe: 45 MB) zum untersuchten Schweißarbeitsplatz zu sehen.

Die Abbildung rechts veranschaulicht den schematischen Ablauf der Tätigkeit. (Klicken Sie auf die Grafik, um Sie in einem neuen Fenster in voller Größe anzuzeigen.)

Die geschweißten Profile werden an den nachfolgenden Arbeitsplätzen weiter bearbeitet. Sie werden gedrillt (Drall von Eigenspannung und vom Schweißen), gesägt, je nach Bedarf gebohrt, es werden Verbindungsröhrchen angeschweißt und die Profile werden gespritzt.





 

3.2 Teilaufgaben mit Zeitanteilen

Zur arbeitspsychologischen Bewertung wurden erforderliche Verrichtungen und Handlungen zu folgenden Teilaufgaben zusammengefasst und der zeitliche Anteil an der Gesamtarbeitszeit (ohne Pausen) abgeschätzt:

a)    Teile einlegen, Spannen und Verputzen      ca. 41%      [Videoausschnitte] (Größe: 7 MB)
b) Schweißen
ca. 37%
[Videoausschnitte] (Größe: 22 MB)
c) Transportieren und Ablegen
ca. 15%
[Videoausschnitte] (Größe: 8 MB)
d) Vorbereiten und Warten
ca. 5%
e) Prüfen
ca. 2%

Die Teilaufgaben sind im ersten Bewertungsschritt in folgende Übersicht zu übertragen:
(zum Vergößern bitte anklicken)


Teilaufgaben (Klicken zum Vergrößern!)


Gleichzeitig werden die einzelnen Teiltätigkeiten in die Klassen Vorbereiten, Ausführen, Kontrollieren und Organisieren eingeordnet. Eine gut gestaltete Arbeitstätigkeit beinhaltet alle vier Klassen.





 

3.3 Rechnergestützte Beurteilung mittels REBA_AS

Zur Bewertung des Arbeitsplatzes wurde im Programm die genauere Bewertungsvariante "Feinanalyse" gewählt:
(zum Vergößern bitte anklicken)



Feinanalyse (Klicken zum Vergrößern!)




 

3.3.1 Die Bewertungsebenen Ausführbarkeit und Schädigungslosigkeit

Die klassische Gefährdungsbeurteilung erfolgt als Screening mittels Checklisten. Ein umfangreicher Hilfetext listet die für die jeweilige Fragestellung relevanten Kenngrößen der  entsprechenden Normen und Richtlinien auf.
(Ausschnitte aus den Arbeitsblättern 2a und 2b siehe Bilder; zum Vergrößern bitte anklicken)

Arbeitsblatt 2a (Klicken zum Vergrößern!)      Arbeitsblatt 2b (Klicken zum Vergrößern!)


Zur Arbeitsausführung steht ein vorschriftsmäßiger und aufgabengerechter Bewegungsfreiraum zur Verfügung. Die Arbeitsflächenhöhe ist nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet und ermöglicht ein aufrechtes Arbeiten.

Bild aufrechtes Arbeiten 1 (Klicken zum Vergrößern!)   Bild aufrechtes Arbeiten 2 (Klicken zum Vergrößern!)



Schwere Lasten beim Einlegen der zu schweißenden Teile werden durch einen mechanischen Arbeitsablauf vermieden.
Bild schwere Lasten (Klicken zum Vergrößern!)



Die neu installierte Beleuchtung ist aufgaben- und normgerecht. Eine leistungsfähige Absauganlage minimiert auftretende Gase und Stäube. Sowohl optische als auch akustische Signalgeber sind funktionsbereit und ausreichend wahrnehmbar.
Zum Schweißen werden die erforderlichen Körperschutzmittel getragen.

Bild Schutz 1 (Klicken zum Vergrößern!)   Bild Schutz 2 (Klicken zum Vergrößern!)
 
Bild Schutz 3 (Klicken zum Vergrößern!)



 

3.3.2 Die Bewertungsebenen Beeinträchtigungsfreiheit und Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit

Die Einstufung und Bewertung dieser Ebenen erfolgt mit Arbeitsblatt 2c.
Im Ergebnis wurde keine Vorhersage von Fehlbeanspruchungsfolgen getroffen. Das heißt, durch die gegenwärtige Gestaltung der Arbeitsaufgaben und -bedingungen am untersuchten Schweißarbeitsplatz besteht kein Risiko für den Auftritt von psychischer Ermüdung, Monotonie, psychischer Sättigung oder Stress. Nach der Abschätzung kann die Tätigkeit als psychisch beeinträchtigungslos bewertet werden.


 

Bewertung der Gesamttätigkeit

Zweiundzwanzig für die Tätigkeitsbeschreibung relevante Merkmale werden auf Basis der objektiven Beobachtungen eingestuft. Die integrierte Hilfe bietet hierzu eine umfangreiche Anleitung. (Bild zum Vergößern bitte anklicken)


Bewertung Gesamttätigkeit (Klicken zum Vergrößern!)


 

Bewertung aller Teiltätigkeiten einzeln

Bei der Wahl einer Feinanalyse werden 11 der 22 Skalen für jede einzelne Teiltätigkeit bewertet. Diese fließen dann entsprechend ihres prozentualen Anteils in das Bewertungsergebnis ein. Damit wird diese Form der Arbeitsanalyse genauer als eine Bewertung nur auf der Ebene der Gesamttätigkeit.

Am Beispiel der Teiltätigkeit b) "Schweißen" wird die Einstufung erläutert. Analog werden die vier weiteren Teiltätigkeiten bewertet.


Bewertung Teiltätigkeiten (Klicken zum Vergrößern!)






 

4. Tätigkeitsprofil

Nach Beendigung der Analyse und Einstufung der 22 Skalen für die Beurteilung der Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit schätzt REBA_AS mittels multipler linearer Regression das Risiko des Auftretens der Fehlbeanspruchungsfolgen Psychische Ermüdung, Monotonie, Psychische Sättigung und Stress ab.
Bestehen Gestaltungsmängel in der Arbeit, können unmittelbar aus dem Ergebnisbildschirm umfangreiche Hinweise für eine Verbesserung abgerufen werden. Das Ergebnis kann abgespeichert, ausgedruckt oder im Sinne einer Simulation verändert werden. Folgende Abbildung (zum Vergößern bitte anklicken) zeigt das Endergebnis der Bewertung der Schweiß-Tätigkeit:


Endergebnis (Klicken zum Vergrößern!)